Er hatte viel zu leichtes Spiel

Zu lasche Sicherheitsvorkehrungen? Das Bad Homburger Casino machte es dem Angeklagten laut Gericht zu leicht, Geld abzuzweigen. archiv

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Zu lasche Sicherheitsvorkehrungen? Das Bad Homburger Casino machte es dem Angeklagten laut Gericht zu leicht, Geld abzuzweigen. archivZu lasche Sicherheitsvorkehrungen? Das Bad Homburger Casino machte es dem Angeklagten laut Gericht zu leicht, Geld abzuzweigen. archiv © TZV

Ex-Spielbank-Mitarbeiter erhält Haftstrafe / Richterin kritisiert Casino scharf

BAD HOMBURG – Der 32-jährige Bad Homburger, der von Februar 2018 bis April 2019 als Assistent des wirtschaftlichen Leiters der Spielbank Bad Homburg 1,8 Millionen Euro auf die Seite geschafft und sie in der Wiesbadener Spielbank verspielt hat, ist des besonders schweren Diebstahls schuldig. Er muss nach einem am Freitag in zweiter Instanz ergangenen Urteil der 4. Großen Strafkammer beim Frankfurter Landgericht für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Wegen der Tat war er bereits 2020 vom Landgericht zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden, von denen er bis zu seiner krankheitsbedingten vorzeitigen Entlassung elf Monate verbüßt hat. Da der Bundesgerichtshof das Urteil nach dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft kassiert hat, war es nun zum Wiederaufnahmeverfahren gekommen. Nach Anrechnung der verbüßten elf Monate ist noch eine Reststrafe von einem Jahr und elf Monaten übrig. Das Urteil enthält auch die Einziehung des entnommenen „Spielgeldes“ als Wertersatz. Nach der Rückzahlung geklauten Geldes in Höhe von 700 000 Euro sowie 5000 Euro Schadenswiedergutmachung sind noch 1093713,83 Euro offen.

Die Kammer ist mit ihrem Urteil um zwei Monate unter dem Antrag des Staatsanwalts geblieben und hat der Bitte der Verteidigung, maximal zwei Jahre und zehn Monate zu verhängen, entsprochen. Dem weitergehenden Antrag des Verteidigers, davon wegen der langen Verfahrensdauer drei Monate als bereits verbüßt abzuziehen, schloss sich das Gericht hingegen nicht an. Zwar sei die Verzögerung um eineinhalb Jahre mit der Rechtsstaatlichkeit nicht vereinbar, einen Nachteil habe der Mann aber dadurch nicht gehabt, schließlich sei er nach der vorzeitigen Entlassung auf freiem Fuß gewesen.

Die Richterin verwandte in ihrer Urteilsbegründung viel Zeit darauf, die Zustände, sie sprach von gravierendem Kontrollmangel, zu schildern, die es dem Angeklagten so einfach gemacht hätten, straffällig zu werden. So habe in der Spielbank viel zu lange niemand darauf reagiert, dass die dem Mann anvertrauten Devisen im Wert von 270 000 Euro nicht auf der Bank angekommen waren. Man habe sich mit Ausreden, die Bank stelle gerade ihre Abläufe um, zufriedengegeben, den Angeklagten aber weiterhin an den Tresor gelassen. Selbst nachdem der Devisentransfer dann nach internen Hinweisen aus der Buchhaltung doch in andere Hände gegangen war, habe der Angeklagte die Lizenz zum Tresoröffnen behalten. Er habe weiterhin „tun und lassen können, was er wollte“, so die Richterin. Teilweise waren dem Angeklagten „Gewinnausschüttungen“ gelungen: Wenn er mehr gewonnen als entnommen hatte, steckte er das „geliehene“ Geld am nächsten Morgen abgezählt in die Safebags zurück, wenn nicht, etikettierte er sie einfach um und korrigierte den Inhalt nach unten. Das hat lange funktioniert. Der Angeklagte hatte im Prozess gesagt, er habe immer damit gerechnet, aufzufliegen, zum Schluss vor lauter Stress sogar gehofft, dass es endlich auffällt.

Das Gericht war bei der Abwägung dem Befund der psychiatrischen Gutachterin nur in einem Punkt gefolgt, nämlich dem, dass beim Angeklagten eine pathologische Spielsucht vorliegt. Weder der Einschätzung, dass der Mann suchtgetrieben eingeschränkt schuldfähig war, noch der, dass wegen der unbehandelten Sucht Rückfallgefahr drohe, weshalb eine Unterbringung in einer Psychiatrie angezeigt sei, überzeugte die Kammer. Für die Kammer hat der Angeklagte immer gewusst, was er tat, er habe strukturiert und geplant gehandelt und das ihm von seiner Verlobten auferlegte Ausgehlimit „2 Uhr nachts“ eingehalten, dafür sogar Gewinnsträhnen abgebrochen. Das Gericht sah auch die vom Bundesgerichtshof an eine Unterbringung im Maßregelvollzug geknüpfte Bedingung, dass eine „schwerste Persönlichkeitsveränderung“ beim Täter vorliegen muss, nicht erfüllt. Es habe Veränderungen gegeben, die hätten sich aber darin erschöpft, dass der Mann der Familie Geschenke gemacht, teure Kleidung für sich gekauft und für 1700 Euro wöchentlich zur Untermauerung seines VIP-Status bei der Wiesbadener Spielbank einen Porsche gemietet hat.

Author: Timothy Henderson