Warum Baden-Badens Casino-Chef Thomas Schindler seinen Beruf liebt

Warum Baden-Badens Casino-Chef Thomas Schindler seinen Beruf liebt

Schöner Arbeitsplatz im Kurhaus

Seine Laufbahn begann Thomas Schindler als Croupier in Aachen – als Alternative zum geplanten Studium. Der Baden-Badener Casino-Direktor kann sich „nichts Schöneres vorstellen“ als seine Tätigkeit.

Thomas Schindler steht am Roulette-Tisch.

Für den Fotografen ließ Baden-Badens Casino-Direktor Thomas Schindler noch einmal die Kugel rollen. Als Croupier in Aachen fing er einst an, seit Februar 2014 leitet der 60-Jährige die berühmte Spielbank in der Kurstadt.

Foto: Bernhard Margull

16. Sept. 2023  |  12:30 Uhr

2 Minuten

Rund 25 bis 30 Casinos auf der ganzen Welt hat Thomas Schindler schon besucht. Welches von allen ihm am besten gefallen hat? Da muss er nicht lange überlegen.

„Kein Casino ist schöner als unseres in Baden-Baden“, sagt der Spielbank-Direktor. Höchstens Monte Carlo könne da in gewisser Hinsicht noch mithalten. „Dieses Casino ist ebenso schön wie das in Baden-Baden.“

Kein Wunder also, dass der 60-Jährige Tag für Tag gerne zur Arbeit geht. „Wenn man die Räume im Kurhaus betritt, ist man sofort geflasht“, sagt er – und freut sich noch heute darüber, dass er damals als junger Mann die plötzliche Eingebung hatte, kein BWL-Student, sondern Croupier zu werden.

Thomas Schindler mag die Geräuschkulisse

Eigentlich wollte er damals, Mitte der 80er Jahre, in Aachen nur mal kurz Casino-Luft schnuppern. Die ganz besondere Atmosphäre in der Spielbank faszinierte ihn jedoch so sehr, dass er sich spontan für eine Ausbildung zum Croupier bewarb – und trotz großer Bewerberkonkurrenz genommen wurde. 1985 begann er seine Arbeit im Casino in Aachen, anschließend absolvierte er im Laufe der nächsten Jahre immer mehr Ausbildungen und Prüfungen für die verschiedensten Bereiche innerhalb der Spielbank.

Bereut hat er die Entscheidung für diesen außergewöhnlichen Beruf nie: Bis heute kann er sich „nichts Schöneres vorstellen“ als seine Tätigkeit. „Ich mag die Geräuschkulisse, die Eleganz der Räume und der Gäste, das Klackern der Jetons.“ Das war schon in Aachen so, danach in Bremen, wo er von 1999 bis 2013 angestellt war, und das ist natürlich vor allem in Baden-Baden so.

Casino-Eleganz auch ohne Krawattenpflicht

Ist die Eleganz trotz der Abschaffung der Krawattenpflicht nach wie vor gewährleistet? „Auf jeden Fall“, sagt der Spielbank-Direktor. „Man kann auch ohne Krawatte gut angezogen sein.“ Das Sakko allerdings ist nach wie vor Pflicht, wer keines dabeihat, kann sich eines ausleihen. „Wichtig ist, dass das Gesamtbild stimmt“, sagt der erfahrene Casino-Chef.

Das Casino ist laut Schindler viel mehr als nur ein Platz, an dem man Roulette, Black Jack, Poker oder an den Spielautomaten spielen kann. „Bei uns gibt es ein angesagtes Restaurant, eine Bar und den Club Bernstein. Wir veranstalten Konzerte, Kabarett, Modenschauen und vieles mehr.“ Zum Beispiel Lesungen: Am 12. Oktober ist Wladimir Kaminer zu Gast, am 4. Dezember Jan Weiler.

Jeder Gast findet bei uns das, was er sucht.

Thomas Schindler

Casino-Direktor in Baden-Baden

„Jeder Gast findet bei uns das, was er sucht“, beschreibt Schindler die Philosophie seines Hauses. Die Zahlen zeigen, dass das Konzept aufgeht. In diesem Jahr werden insgesamt knapp 280.000 Besucher in den Räumlichkeiten des von Friedrich Weinbrenner gebauten Kurhauses erwartet.

Im Casino kann man theoretisch an einem Abend so viel Geld gewinnen, dass man nie wieder arbeiten muss. Man kann aber auch viel Geld verlieren.

Professionelle Hilfe bei akuten Problemen

Wie kann das Casino verhindern, dass Menschen ihre gesamte Existenz ruinieren? „Wir wenden ein aufwändiges Sozialkonzept an“, sagt Schindler. „Auf der einen Seite soll dieses Sozialkonzept betroffene Spieler dabei unterstützen, problematisches Spielerverhalten zu erkennen, zu prüfen und nötigenfalls zu ändern.

Auf der anderen Seite verfolgen wir das Ziel, Betroffenen und deren Angehörigen professionelle Hilfe bei akuten Problemen zu geben.“

Im Klartext: „Wenn wir beispielsweise einen Gast haben, der über Monate oder Jahre immer mit Fünf-Euro-Jetons spielt und dann plötzlich nur noch 50-Euro-Jetons setzt und dabei auch noch nervös und ungehalten wirkt, dann sprechen wir mit diesem Gast: Unser Auftrag ist es, Glücksspiel in geordnetem Rahmen anzubieten. Wir erstreben keine Gewinnmaximierung und können uns daher auf das Spielverhalten konzentrieren und gegebenenfalls gegensteuern.“ 

Hilfe dieser Art benötigte ein Gast aus Südamerika nicht: Er gewann einst 1,3 Millionen Euro in Baden-Baden und ist damit derjenige, der den höchsten Gewinn mit nach Hause nahm.

Letzte Frage an den Casino-Direktor Thomas Schindler: Gibt es beim Roulette eigentlich Systeme, nach denen man spielen kann? „Ja“, lacht er. „Systeme gibt es schon, aber sie garantieren natürlich keinen Gewinn“.

Zur Person: Thomas Schindler wurde am 21. Januar 1963 in Unterfranken geboren und wuchs in Aachen auf. Eigentlich wollte er BWL studieren, änderte dann aber seine Pläne: Nach einem Besuch in der Spielbank war er so fasziniert vom Geschehen, dass er sich zum Croupier ausbilden ließ. 1985 trat er eine feste Stelle im Casino in Aachen an. In den folgenden Jahren wurde er in unterschiedliche Casinos entsendet. 1999 wechselte er nach Bremen, wo er zunächst stellvertretender Direktor und ab 2007 Direktor war. Zum 1. Februar 2014 übernahm Thomas Schindler die Leitung der traditionsreichen Spielbank in der Kurstadt.

Lieblingsmusik: „Da bin ich nicht festgelegt. Je nach Stimmung höre ich gerne Deep House oder Klassische Barockmusik, aber auch Rock-Klassiker wie die Rolling Stones.“

Motto: „Leben und leben lassen“ (Zitat aus Schillers Drama „Wallensteins Lager“).

Author: Timothy Henderson